Ein MPU-Erfahrungsbericht

Schwere Post

Wochenlang habe ich auf den Brief der Führerscheinstelle gewartet. Diesen einen, diesen ganz bestimmten Brief. Bei jedem Gang zum Briefkasten schlug mein Herz immer etwas schneller. Insgeheim war ich aber jedes Mal erleichtert, wenn der Briefkasten dann doch leer war. Fast täglich bin ich das Szenario, wie ich den Brief von der Führerscheinstelle erhalte und was ich danach tun müsste, in meinem Kopf durchgegangen und sagte mir: „Alles halb so wild“. In dieser Zeit war ich angespannt, gereizt und unruhig. Heute weiß ich, dass ich mit allem was passierte überfordert war, weil mir etwas Unangenehmes bevorstand, wovon ich nicht im Ansatz eine Vorstellung hatte, trotz nächtelanger Recherchen von Erfahrungsberichten über Führerscheinverluste, Drogendelikte und MPU, die mich zugegebenermaßen nur noch mehr überforderten.

Eines Tages: Führerschein weg. Und nun?

Das Gefühl der Überforderung ebbte mit der Abgabe meines Führerscheins bei der zuständigen Führerscheinstelle nicht ab. Anders als erwartet, wurde ich dort nicht über die weitere Vorgehensweise aufgeklärt. Ich wurde lediglich darüber informiert, dass zur Wiedererlangung des Führerscheines eine MPU erforderlich ist. Und dann? Wohin ich gehen und was ich tun muss, blieb meine Aufgabe. Zudem flogen gefühlt jeden Tag weitere Briefe ins Haus, wie vom Ordnungsamt oder der Polizeistelle. Ich verlor den Überblick über das bürokratische Vorgehen, ganz zu schweigen von der bürokratischen Sprache, die ich nicht verstand. Ich fühlte mich mit diesem Problem alleingelassen und mir wurde schnell klar, dass ich meinen Führerschein ohne professionelle Hilfe wohl nicht zurückbekommen würde. Also begab mich auf die Suche nach einer Beratungsstelle.

Das IPBB in Kiel

Im Internet habe ich mich über das Institut für psychologische Beratung und Bildung in Kiel erkundigt, ich rief also dort an und bekam direkt einen Termin für ein Erstgespräch. Anfangs hatte ich überhaupt keine Ahnung, was mich dort erwarten würde. Dort angekommen wurde ich zu meiner Erleichterung mit großer Herzlichkeit empfangen. Die Situation war für mich sowieso schon unangenehm genug, aber meine Verkehrspsychologin ist mir mit viel Verständnis entgegengetreten. Bereits nach dem zweiten Gespräch wurde mir klar, dass diese Vorbereitung auf die MPU weitaus mehr ist, als nur über mein Delikt zu sprechen. Heute kann ich sagen, dass mir die Gespräche mit meiner Verkehrspsychologin geholfen haben über vergangenes und schmerzliches zu sprechen, Geschehnisse und Fehler zu akzeptieren und diese zu verarbeiten, ohne mich und meine Persönlichkeit zu verurteilen. Das mag vielleicht etwas komisch klingen, aber ich bin dankbar für diese Erfahrung. Durch die Gespräche mit meiner Verkehrspsychologin habe ich nachhaltig gelernt, wie ich einen super GAU- ausgelöst durch Schicksalsschläge, umgehen kann. Vor Schicksalsschlägen ist nämlich niemand gefeit, die große Kunst liegt jedoch darin, sich davon nicht unterkriegen zu lassen und Konfliktsituation frühzeitig zu erkennen. Letzen Endes ist mir klargeworden, dass es um viel mehr geht, als um den Konsum an sich. Ich bin gestärkt aus den Gesprächen im IPBB herausgegangen, nicht zuletzt, weil mir das gesamte Institut den Rücken gestärkt und mir Mut zugesprochen hat. Sie haben in mir das erkannt, was ich bis dahin nicht sehen konnte oder im Laufe meiner Jahre verloren habe: Einen Menschen, der natürlicherweise Fehler macht, aber so viel Selbstwert erlangt hat, Fehler ebenso als eine Chance zu sehen. Die Chance zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

 

 

 

 

 

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